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PV · Speicher · Energiemanagement

PV-Abregelung: Eigenverbrauch optimieren statt Solarstrom verlieren

Photovoltaikanlagen können aus unterschiedlichen Gründen in ihrer Einspeisung begrenzt oder durch den Netzbetreiber geregelt werden. Welche Vorgaben gelten, hängt unter anderem von Inbetriebnahmezeitpunkt, Anlagengröße, technischer Ausstattung und Netzsituation ab. Deshalb betrachten wir Alt- und Neuanlagen individuell – mit einem gemeinsamen Ziel: möglichst viel erzeugten Solarstrom sinnvoll im eigenen Gebäude nutzen.

Alt & Neu individuell bewerten
Eigenverbrauch Verbrauch verschieben
Energiemanagementsystem Systeme koordinieren
20-Sekunden-Kurzfassung

Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel darf eingespeist werden?

Wichtiger ist, was mit dem Solarstrom im Gebäude passiert, bevor eine Einspeisegrenze erreicht wird. Batteriespeicher, Wärmepumpe, Warmwasserbereitung, Wallbox, Klimaanlage und weitere steuerbare Verbraucher können – technisch sinnvoll koordiniert – Erzeugungsspitzen aufnehmen. Ein gutes Energiemanagement versucht deshalb, Eigenverbrauch und Betriebszeiten so zu optimieren, dass möglichst wenig erzeugbare Energie ungenutzt bleibt.

1 · Keine Einheitsregel

Altanlage und Neuanlage nicht über einen Kamm scheren

Bei PV-Anlagen existieren unterschiedliche technische und gesetzliche Rahmenbedingungen. Ältere Anlagen können noch aus früheren EEG-Regelungen resultierende Begrenzungen oder technische Vorgaben haben. Bei neueren Anlagen spielen intelligente Messsysteme, Steuerungseinrichtungen und die Möglichkeit einer ferngesteuerten Regelung der Einspeiseleistung eine größere Rolle.

Deshalb vermeiden wir pauschale Aussagen wie „jede PV-Anlage darf immer nur X Prozent einspeisen“. Für eine Bestandsanlage muss zunächst geklärt werden, welche Regelung für genau diese Anlage gilt und wie sie technisch umgesetzt wurde.

2 · § 9 EEG

Der Netzbetreiber muss die Einspeisung technisch regeln können

§ 9 EEG enthält technische Vorgaben für Erzeugungsanlagen. Betreiber müssen den ordnungsgemäßen technischen Zustand der Anlage und der elektrischen Anlage hinter der Hausanschlusssicherung sicherstellen, damit die erforderliche Mess- und Steuerungstechnik eingebaut und betrieben werden kann. Bei einspeisenden Anlagen muss der Netzbetreiber beziehungsweise ein anderer Berechtigter nach den gesetzlichen Voraussetzungen die Ist-Einspeisung abrufen und die Einspeiseleistung ferngesteuert regeln können.

Das bedeutet: Eine PV-Anlage kann netzseitig bis hin zu einer vollständigen Reduzierung der Einspeiseleistung betroffen sein, wenn die gesetzlichen und netzbetrieblichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Für die wirtschaftliche Betrachtung sollte deshalb nicht allein auf maximale Einspeisung gesetzt werden.

3 · Abregelung

Abgeregelt bedeutet nicht automatisch, dass der Strom im Haus nicht genutzt werden darf

Entscheidend ist, an welcher Stelle und nach welchem Verfahren die Leistungsbegrenzung umgesetzt wird. Moderne Regelungs- und Energiemanagementkonzepte können den Verbrauch im Gebäude erfassen und steuerbare Verbraucher passend zur verfügbaren PV-Leistung betreiben.

Die konkrete Funktion hängt jedoch von Wechselrichter, Messkonzept, Steuerung, Netzbetreibervorgaben und eingesetztem Energiemanagement ab. Bestehende Anlagen sollten deshalb technisch geprüft werden, bevor Komponenten ergänzt oder Einstellungen verändert werden.

Ziel der Optimierung: Nicht gesetzliche oder netzseitige Vorgaben umgehen, sondern innerhalb des zulässigen Betriebs möglichst viel Solarenergie sinnvoll selbst nutzen.
4 · Batteriespeicher

Erzeugungsspitzen in einen späteren Verbrauch verschieben

Ein Batteriespeicher kann überschüssige PV-Leistung aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereitstellen. Entscheidend sind aber nicht nur Speicherkapazität und Wechselrichterleistung. Ladeleistung, Regelstrategie, Verbrauchsprofil und vorhandene Verbraucher bestimmen, wie gut der Speicher Erzeugungsspitzen tatsächlich abfangen kann.

Ein Speicher sollte deshalb nicht pauschal möglichst groß gewählt werden. Die Dimensionierung muss zur Anlage und zum Verbrauch passen.

5 · Wärmepumpe

Wärme kann ebenfalls ein Speicher sein

Eine Wärmepumpe kann – soweit Anlagenkonzept und Komfortanforderungen es zulassen – Betriebszeiten in sonnenreiche Stunden verschieben. Warmwasser, Gebäude und gegebenenfalls vorhandene thermische Speicher können so einen Teil der PV-Erzeugung aufnehmen.

Das bedeutet nicht, die Wärmepumpe ineffizient auf hohe Temperaturen zu zwingen. Gute Eigenverbrauchsoptimierung berücksichtigt immer auch Effizienz, Anlagenhydraulik und Komfort.

6 · Wallbox

Das Elektroauto ist häufig der größte flexible Verbraucher

Steht ein Fahrzeug tagsüber am Gebäude, kann PV-geführtes Laden große Energiemengen aufnehmen. Abhängig von Fahrzeug, Ladeeinrichtung und System kann die Ladeleistung an den verfügbaren Überschuss angepasst werden.

Bei mehreren Ladepunkten kommen PV-Überschussladen und dynamisches Lastmanagement zusammen: Einerseits soll möglichst viel eigener Solarstrom genutzt werden, andererseits dürfen die Grenzen des Hausanschlusses nicht überschritten werden.

7 · Weitere Verbraucher

Auch Klima, Warmwasser und betriebliche Lasten einbeziehen

Je nach Gebäude können Klimaanlagen, elektrische Warmwasserbereitung oder verschiebbare betriebliche Verbraucher zusätzliche Möglichkeiten bieten. Im Gewerbe ist häufig besonders interessant, dass PV-Erzeugung und Stromverbrauch zeitlich ohnehin teilweise zusammenfallen.

Welche Verbraucher steuerbar sind und welche Priorität sie erhalten, sollte projektspezifisch festgelegt werden.

8 · Energiemanagement

Einzelgeräte werden erst durch Koordination zum Energiesystem

Wenn PV-Wechselrichter, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox unabhängig voneinander arbeiten, nutzen sie vorhandene Flexibilität nicht zwangsläufig optimal. Ein Energiemanagementsystem kann Messwerte zusammenführen und Verbraucher nach definierten Prioritäten steuern.

Herstellerunabhängigkeit ist dabei ein Vorteil: Wir betrachten nicht nur das Produkt eines einzelnen Herstellers, sondern prüfen, welche Komponenten und Schnittstellen für das konkrete Projekt sinnvoll zusammenarbeiten.

9 · Bestandsanlagen

Bei älteren Wechselrichtern kann die Abregelung auch den Eigenverbrauch treffen

Bei Bestandsanlagen ist entscheidend, wie die Leistungsreduzierung technisch umgesetzt wurde. Ältere Wechselrichter können über vorhandene Schnittstellen, beispielsweise in Verbindung mit einem Rundsteuerempfänger (FRE), direkt auf vorgegebene Leistungsstufen gesetzt werden. Je nach Gerät und Anlagenkonzept wird dabei nicht nur die Einspeisung am Netzanschlusspunkt begrenzt, sondern die Ausgangsleistung des Wechselrichters selbst reduziert.

Wird die Wechselrichterleistung stark oder bis auf null reduziert, steht entsprechend auch weniger beziehungsweise keine PV-Leistung für den unmittelbaren Eigenverbrauch zur Verfügung. Ein nachgeschaltetes Energiemanagement kann dieses grundsätzliche Verhalten nicht in jedem Fall aufheben.

Deshalb prüfen wir bei älteren Anlagen Wechselrichter, FRE-/Steuerschnittstellen, Messkonzept, Parametrierung und die tatsächliche Art der Leistungsbegrenzung. Ist mit der vorhandenen Technik keine sinnvolle eigenverbrauchsorientierte Regelung möglich, kann eine Modernisierung des Regelungskonzepts oder – nach technischer und wirtschaftlicher Prüfung – auch ein Austausch des Wechselrichters sinnvoll oder erforderlich sein.

Wichtig: Ein Wechselrichtertausch ist keine Standardlösung. Zuerst muss festgestellt werden, ob tatsächlich die gesamte Wechselrichter-Ausgangsleistung oder nur die Netzeinspeisung begrenzt wird und welche technischen Möglichkeiten die Bestandsanlage bietet.

Auch bestehende PV-Anlagen lassen sich häufig verbessern

Gerade ältere Anlagen wurden oft zu einer Zeit gebaut, als Batteriespeicher, Wärmepumpe, Elektroauto und intelligentes Energiemanagement noch keine Rolle spielten. Später ergänzte Komponenten sind nicht immer optimal aufeinander abgestimmt.

Dann lohnt sich eine systematische Bestandsaufnahme: Welche Begrenzung gilt? Wo wird gemessen? Wie arbeitet der Wechselrichter? Welche Verbraucher sind vorhanden? Welche Schnittstellen können genutzt werden? Und an welchen Stellen geht heute potenziell nutzbare PV-Energie verloren?

10 · Prüfung

Was wir bei einer PV-Optimierung betrachten

  • Inbetriebnahmezeitpunkt und Anlagenleistung
  • für die Anlage geltende technische Vorgaben
  • Wechselrichter und aktuelle Parametrierung
  • Mess- und Steuerungskonzept
  • Netzbetreiberanforderungen
  • Eigenverbrauchs- und Einspeiseverlauf
  • Batteriespeicher und mögliche Ladeleistung
  • Wärmepumpe und thermisch verschiebbare Lasten
  • Wallbox und PV-Überschussladen
  • weitere flexible Verbraucher
  • Energiemanagement und Schnittstellen
  • Erweiterungs- und Optimierungsmöglichkeiten

PV-Anlage vorhanden – aber Eigenverbrauch und Regelung passen nicht zusammen?

Elektrotechnik Schlenter analysiert auch bestehende Anlagen und Fremdanlagen. Wir betrachten PV, Speicher, Wärmepumpe, Ladeinfrastruktur, Messung und Energiemanagement gemeinsam – mit dem Ziel, die vorhandene Energie innerhalb der technischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen möglichst sinnvoll zu nutzen.

Häufige Fragen

Gilt für jede PV-Anlage dieselbe Einspeisebegrenzung?

Nein. Maßgeblich sind unter anderem Inbetriebnahmezeitpunkt, Leistung, technische Ausstattung und die jeweils geltenden gesetzlichen Vorgaben. Deshalb sollte eine Bestandsanlage konkret geprüft werden.

Kann der Netzbetreiber eine PV-Anlage vollständig herunterregeln?

§ 9 EEG sieht für betroffene einspeisende Anlagen eine technische Möglichkeit zur ferngesteuerten Regelung der Einspeiseleistung vor, einschließlich vollständiger Regelung. Ob und unter welchen Voraussetzungen tatsächlich eingegriffen wird, richtet sich nach den einschlägigen gesetzlichen und netzbetrieblichen Regelungen.

Ist ein Batteriespeicher immer die beste Lösung gegen Abregelverluste?

Nein. Ein Speicher kann sehr sinnvoll sein, aber auch Wärmepumpe, Wallbox und andere flexible Verbraucher können Erzeugung aufnehmen. Entscheidend ist das Verbrauchsprofil des Gebäudes.

Lohnt sich die Optimierung auch bei einer älteren PV-Anlage?

Das kann der Fall sein, insbesondere wenn Speicher, Wärmepumpe oder Wallbox nachgerüstet wurden oder die ursprüngliche Regelung nicht mehr zum heutigen Verbrauch passt.

Rechtliche Grundlage:

Die technischen Vorgaben zur Mess- und Steuerbarkeit von Erzeugungsanlagen ergeben sich insbesondere aus § 9 EEG. Welche Anforderungen für eine konkrete Bestands- oder Neuanlage gelten, ist anhand von Inbetriebnahmezeitpunkt, Leistung, technischer Ausstattung und den jeweils einschlägigen Übergangsregelungen zu prüfen. Deshalb verwendet dieser Beitrag bewusst keine pauschale Prozentgrenze für alle Anlagen.

Fachbeitrag 07

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Warum „größer“ nicht automatisch besser ist – und wie Leistung, Kapazität, PV-Anlage, Verbrauch, Ersatzstrom und zukünftige Verbraucher zusammenpassen.

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